Autor Thema: Jobcenter verliert Unterlagen  (Gelesen 63 mal)

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Jobcenter verliert Unterlagen
« am: 06. Mär. 2020, 10:55:19 »
Jobcenter verliert Hartz IV Weiterbewilligungsantrag

Anträge sind, gerade wenn es um die eigene Existenz geht, Zeiten von großer Unsicherheit. Vermutlich kennt das jeder Mensch der schon einmal Hartz IV beantragt hat. Das Risiko in eine solche Situation zu kommen, steigt mit der Dauer des Bezuges von Hartz IV-Leistungen und der damit steigenden Zahl von Weiterbewilligungsanträgen. Die Bewilligung von Leistungen sichert das Existenzminimum. Die wenigsten Hartz IV Bezieher*innen verfügen auch nur über geringste Rücklagen. Anträge und Weiterbewilligungsanträge müssen rechtzeitig gestellt werden. Nun kommt es immer Mal wieder vor, dass Anträge im bürokratischen System der Jobcenter andere Wege als vorgesehen gehen. Manchmal verschwinden solche Unterlagen - zumindest temporär, ganz. Manchmal auch für immer. Sie sind dann nicht auffindbar. Antragsteller, deren Anträge dann nicht bearbeitet werden und die ihren Weiterbewilligunsbescheid dann nicht erhalten, müssen befürchten, dass sie nach Ablauf der jeweiligen Bewilligungsperiode ihre Miete nicht mehr bezahlen können und auch kein Geld für ihren Lebensunterhalt haben. Kein Wunder also, dass diese Zeit bei den Betroffenen große Ängste verursacht. Wer dann mit dem Jobcenter in Kontakt tritt, erlebt erst einmal, dass der Fehler, wenn Unterlagen nicht auffindbar sind, bei den Antragstellenden zu suchen ist. Man sieht sich aufeinmal alleine diesem bürokratischen Koloss gegenüber. Telefonisch landet man immer in irgendeiner Telefonzentrale und muss bis zu 48 Stunden auf einen Rückruf warten. Manchmal kommt der Rückruf gar nicht oder man bekommt eine(n) MitarbeiterIn an den Apparat, der/die einem nicht weiterhelfen kann. Man ruft also wieder in der Zentrale an und das Spiel beginnt von vorne. Wieder bis zu 48 Stunden warten. Die Zeit wird allmählich knapp und mit jedem weiteren gescheiterten Versuch, den Antrag doch noch im System des Jobcenters ausfindig zu machen, steigt die psychische Belastung. Mit jedem gescheiterten Versuch steigt das Risiko, am nächsten Monatsanfang der Obdachlosigkeit einen großen Schritt näher gerückt zu sein. Manchmal klärt sich die Situation dann trotz allem doch noch rechtzeitig und der Antrag wird nach einigen Anrufen dann doch tatsächlich gefunden - und manchmal auch sehr zügig bearbeitet. Je nach dem, mit wem man es dann in der Leistungsabteilung zu tun bekommt. Manchmal muss man aber auch länger mehrmals hartnäckig hinterher telefonieren, bevor der Antrag dann zuunterst in irgendeinem Stapel, wo er vergessen worden ist, vielleicht doch gefunden wird. Scheint ein Antrag verschwunden empfiehlt es sich in jedem Fall sofort einen neuen Antrag zu stellen. Egal, ob man unschuldig ist oder nicht. Das ist sicherer. Die Zeit spielt gegen einen. Außerdem: Fehler sind menschlich - Anträge können bei Millionen von Hartz IV-Beziehenden tatsächlich Mal im System verschwinden: das ist schlicht normal - und man möchte sich ja den pauschalen Schuldzuweisungspraktiken der Jobcenter nicht unbedingt anschließen. Außerdem sitzt man meistens definitv am kürzeren Hebel.

Ein Beispiel gibt der folgenden kurze Artikel eines Betroffenen. Für ihn geht es zum Glück gut aus.

https://www.hartziv.org/news/20200228-kein-einzelfall-jobcenter-verliert-unterlagen-von-hartz-iv-empfaenger.html?utm_source=CleverReach&utm_medium=email&utm_campaign=CRNL-03032020&utm_content=Mailing_11839730





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